Sentiment-Analyse September 2010: Dunkle Wolken am Horizont

Man sagt, die Ratten verlassen das sinkende Schiff zuerst. Das liegt nicht daran, dass Ratten im Allgemeinen als abstoßend wahrgenommen werden, sondern daran, dass sie einfach ziemlich smarte Lebewesen sind. Vielleicht ist die Abscheu also teilweise durch Ehrfurcht bedingt. Wie dem auch sei, es kann nicht falsch sein, die Ratten zu beobachten, wenn das Schiff durch unruhige Gewässer steuert.

Auffälliger Kapitalabfluss

Insider sind sehr smarte Akteure an den Märkten. Ein jeder kennt sich zwar nur in der Nische seines Unternehmens aus, dafür aber so gut wie kein anderer. In ihrer Gesamtheit kreieren die Insider also ein sehr interessantes Set von Daten. Daher stellen wir für den Insider-Alarm jeden abgelaufenen Monat diese Insider-Sentiment-Analyse zusammen. Eine Erscheinung war im September besonders auffällig: Der Abfluss von Kapital seintens der Insider. Und dieser erfolgte nicht zu knapp!

Wir haben im September gemäß unserer Filterkriterien 54 Insider-Transaktionen erfasst, davon waren 30 Käufe und 24 Verkäufe. Jedoch erreichten die Käufe lediglich ein kumuliertes Volumen von 4,97 Millionen Euro, während die Verkäufe bei 36,26 Millionen lagen. Prozentual steht es in dieser Verteilung also 88:12 für die Verkäufe. Das ist eine durchaus auffällige Erscheinung!

DAX in unruhigem Fahrwasser

Die letzten Monate befand sich der Gesamtmarkt in unruhigem Fahrwasser. Der DAX schwankte sehr volatil, ohne das ein nachhaltiger Zugewinn zu verzeichnen gewesen wäre. Dabei schlägt er sich im internationalen Vergleich noch blendend. Bei vergleichbaren Indizes aus der Schweiz, Japan, Großbritannien oder den USA wurde eher verloren beziehungsweise notiert man dort weiter entfernt von den bisherigen Jahreshochs. Unter dem Gesichtspunkt der Korrelation steht der DAX also hoch.

Günstige Verkaufskurse genutzt

Man soll den Teufel ja nicht immer gleich an die Wand malen, aber seitens des allgemein erfassten Insider-Verhaltens kann man mit dem abgelaufenen Monat von dunklen Wolken sprechen, die am Horizont aufgezogen sind. Die vorsichtigen und selektiven Käufe in kleinen Dosierungen können die teilweise umfangreichen Liquidierungen großer Positionen nicht aufwiegen. Diese übersteigen in ausgewählten Fällen auch das Niveau von Gewinnmitnahmen, es wurden teils sehr große Positionen abgezogen – zu ebenso günstigen Verkaufs-Kursen, wenn man die entsprechenden Charts verglich.

Markt vor neuem Einbruch?

Noch steht der DAX oberhalb der 6.000. Doch wer weiß, welche neuen Symptome der erkrankten Weltwirtschaft demnächst sichtbar werden? Anleger aus aller Welt fliehen in Gold, dies erreichte zuletzt immer höhere Rekordpreise. Geld ist zwar billig und belebt die Käufe an Aktien- und Rohstoffmärkten, doch in diesem Umfeld kann bereits ein kleiner Stein eine Lawine ins Rollen bringen.

Ob die Insider hierbei nun wirklich ihre Aktionen mit geschwächten Geschäftsaussichten verknüpfen, ist gar nicht so wichtig. Es steht aber definitiv fest, dass die Mehrheit unter ihnen die zuletzt gestiegenen September-Kurse zum Aussteigen nutzte. Das Vertrauen in weiter steigende Notierungen ist also nicht mehr unbedingt gegeben, oder zumindest ist es das Risiko eines sicheren Gewinnes nicht mehr Wert. In der Summe ist man nach dem Marktboden 2009 immer noch breit investiert, keine Frage. Wie gesagt, dies könnte nur ein erstes Zeichen sein.

Neuste Innovation: Der IAS-Indikator

Zur besseren Veranschaulichung der Daten haben wir für Sie nun den IAS-Indikator entwickelt. IAS steht hierbei für Insider-Alarm-Sentiment. Er setzt sich aus einer geheimen Formel zusammen, die die hier beschriebenen Daten optisch zusammenfassen soll, also Anzahl der Käufe und Verkäufe sowie den Kapitalzu- beziehungsweise -abfluss. Wir haben die Daten mal bis Anfang Mai, Punkt 0, zurückgerechnet.

Fazit

Sie sehen, dass der Indikator dieses Jahr ähnlichen Schwankungen unterlag, wie der Gesamtmarkt. Definitive Erkenntnisse über seine Vorhersagekraft werden sich wohl erst nach ein paar weiteren Monaten und Jahren einstellen, für die unmittelbare Zukunft liefert er jedoch ein klares Bild: Der September brachte deutliche Verluste und drückt den IAS-Indikator erstmalig in negatives Terrain. Bleibt also abzuwarten, wie das vierte Quartal am Markt verlaufen wird. Die Insider zumindest stehen diesem skeptisch gegenüber.