Insider-Analyse Oktober 2010: Insider skeptisch – nach wie vor

Der Oktober ist ein gütiger Monat am deutschen Aktienmarkt gewesen. Der DAX überwand tatsächlich seine alten Hochs und setzte zugleich zu einer fulminanten Jahresend-Rallye an, die immer noch im Gange ist. Im Zuge dieser Entwicklung ist es besonders aufschlussreich, einmal das Verhalten der Marktinsider genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu fallen im Insider-Alarm jeden Monat genügend Daten an.

Leichte Steigerung

Dass es seitens der Situation bei den Insidern eine gewissen positiven Effekt gegeben hat, zeigt unser Sentiment-Indikator auf den ersten Blick. Dieser konnte sich im abgelaufenen Monat leicht um 0.2 Basispunkte nach oben schieben und notiert nun wieder positiv. Im Vergleich zum September fiel der Abfluss von Kapital nur noch gering aus. Hinsichtlich des Volumens halten sich Käufe und Verkäufe mit einem Verhältnis von 46 zu 54 Prozent einigermaßen die Waage.

Auffallend positiv ist die quantitative Mehrheit bei den Käufen. Mit stolzen 81 Prozent Kaufanteil wurde hier der höchste Wert seit Mai gemessen. Die Insider sind also an den verschiedensten Ecken im Markt als Käufer aktiv. Dabei fallen die Positionen jedoch in der Regel klein und vorsichtig aus. Dennoch zeigen sie ein breites Interesse an verschiedensten Unternehmen und rennen dem Markt keinesfalls davon.

Bereits stark investiert

Man muss berücksichtigen, dass die meisten Insider den Markt schon lange betreten haben. Es geht ja mit einer gewissen Firmenloyalität einher, Aktien des Arbeitgebers zu besitzen. Daher fanden sich große Zukäufe vorrangig in den Phasen, als die Kurse noch günstig waren, in den Jahren 2008 und 2009. Oftmals treten sie also nun auf der Verkaufsseite auf, um Gewinne mitzunehmen.

Während der DAX aus der Seitwärtsphase ausbrach und viele Charts einzelner Unternehmen es im gleich taten, beteiligten sich die Insider am jüngsten Anstieg jedoch nur marginal. Auch die laufende Berichtssaison hatte kein auffälliges Kaufvolumen zum Anlass. Obwohl der Oktober ein starker Monat gewesen ist, hielten sich die Insider am erneuten Kursaufschwung vornehm zurück. Das Gesamtvolumen ist auf dem niedrigsten Stand seit dem Urlaubsmonat Juli vorzufinden.

Gesunde Skepsis

Sie können den Insidern damit eine gesunde Skepsis attestieren. Irgendwo passt diese ja auch zur Realität. Die aktuelle Hausse ist mitunter ja der lockeren Geldpolitik der Amerikanischen Notenbank und dem allgemein günstigen Investitionsklima geschuldet. Man spricht, wie Sie wissen, offen von einer Liquiditätsschwemme, die nicht nur die Aktienmärkte erfasst. Dafür wird die weitere Verschuldung der Staaten scheinbar blind in Kauf genommen.

Mit einem vernünftigen und nachhaltigen Geschäftssinn, wie ihn die deutschen Vorstände und Aufsichtsräte besitzen, haben diese internationalen Verhaltensweisen wenig zu tun. Unsere Konzernlenker wissen, dass sich nur begrenzt Schulden machen lässt. Noch vor einigen Monaten durften manche von ihnen erfahren, wie es ist, wenn es plötzlich schwieriger wird, Kredite überhaupt zu bekommen – Stichwort Finanzkrise. Es ist gut vorstellbar, dass die Mehrheit der Insider schon eher der harten Landung im nächsten Jahr entgegensieht, wenn das Wirtschaftswachstum weltweit wieder geringer ausfallen soll.

Fazit

Insgesamt halten sich die Insider gegenwärtig bedeckt. Selektive Käufe gehen einher mit punktuellen Gewinnmitnahmen. Es wurde weder euphorisch eingekauft noch panisch aus den Investments geflohen. Dies deutet darauf hin, dass der aktuell vorliegende Anstieg schon das Ende der Bewegung einläuten kann, die im Frühjahr 2009 begonnen hat. Das soll den DAX nicht daran hindern, auch noch über die 7.000 zu steigen – nur liegen die größten Gewinne, wenn es nach den Insidern geht, eben schon hinter uns.